Intitiative "Qualität im Journalismus"
-DJV-Tagung, Bonn 8. Oktober 2001 -

Thesen zur Aus- und Fortbildung von JSR-Leiterin Gabriele Bartelt-Kircher

Ausgangspunkt:
Journalistenschulen und professionelle journalistische Aus- und Weiterbildungsinstitute treffen sich auf Einladung des Bildungswerks des DJV seit Jahren ein- bis zweimal jährlich. Dieser Kreis hat inzwischen ein Netzwerk zur Qualitätssicherung aufgebaut. Themen der gemeinsamen Runden waren in der Vergangenheit zur Hauptsache die fünf Strukturmerkmale der journalistischen Aus- und Fortbildung:
  • Ausbildung und Rekrutierung
  • Vergleichbarkeit der Ausbildung und Marktchancen
  • Beobachtung der Veränderung des Berufsbildes
  • Aktualisierung von Wissen und Fertigkeiten
  • Finanzierung
Zur Zeit haben wir eine regionalisierte Aus- und Fortbildungslandschaft mit regionalen Schwerpunkten. Während Hamburg z. B. stärker die mehrmediale Ausbildung im Blick hat, bieten Essen und Erfurt die regionalen Spezifika für den Printbereich. Dabei ist im großen Ganzen das Angebot der eingeführten Institute sehr ähnlich, die Dozenten - nicht nur Journalisten - sind oftmals identisch. Der Austausch zwischen den Instituten führt dazu.

Technische Standards
Standards in der Aus- und Fortbildung können dann gesetzt werden, wenn die Anforderungen an Aus- und Fortbildung von der Nachfrager-Seite - Journalisten wie Verleger - definiert werden. Zur Zeit findet dies vor allem mit Blick auf die technischen Anforderungen statt. Kurse zur redaktionellen Technik hatten im vergangenen Jahr Hochkonjunktur. Photoshop, Colourmanagement und Ganzseiten-Umbruch-Programme sowie Layout-Kurse sind gefragt.

Journalistisches Angebot
Was aber die journalistischen Techniken betrifft, so scheitert ein Angebot dazu oft. Recherchekurse und Interview-Trainings jenseits des Volontariats sind oft nur knapp ausgelastet. Dagegen sitzen in Kursen zur verbesserten Wirtschaftsberichterstattung und zum journalistischen Texten mehr Mitarbeiter von Agenturen und PR-Abteilungen als politische Journalisten.

Zeitbudget
Die Arbeitsverdichtung in den Redaktionen und die Belastung der Freien - die für Fortbildung Verdienst- und Auftragsausfall kalkulieren müssen, führt zur Verkürzung der Fortbildungsangebote auf ein oder zwei Tage. Außerdem haben in dieser Situation die direkt arbeitstechnisch notwendigen Kurse Vorrang vor den handwerklichen wie Nachrichten schreiben und Recherche. Themenzentrierte Angebote müssen zeitlich nahe zum Ereignis liegen - d.h. kurzfristig und kurzzeitig angeboten werden.

Ziel der Qualitätssicherung
Qualitätssicherung heißt im günstigen Fall die Vorwegnahme der Entwicklung in Workshops, die Alternativen vorstellen und diskutieren. So praktizierte das die JSR vor der Einführung der digitalen Bildbearbeitung, des Archivsystems, der neuen deutschen Rechtschreibung, zu den Bundes- und Kommunalwahlen, Standortdebatten zur Forensik, EU-Osterweiterung und europäische Themen für die kommunale Ebene, Entwicklung der Sozialpolitik, der Kirchen und der anderen Religionen usw...

Grundprinzip
Schließlich muss Qualitätssicherung ein Grundprinzip der journalistischen Produktion werden, wie es in anderen Branchen längst üblich ist. Daraus folgt dann der Anspruch an Fortbildung und die Wertschätzung derselben. Bis heute hat Qualitätssicherung in vielen Fällen nachrangige statt nachhaltige Bedeutung.
 

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